Grußwort von Borsdorfs Bürgermeisterin Birgit Kaden zum Jubiläum „30 Jahre Heimatmuseum“

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des Heimatvereins, liebe Gäste,
30 Jahre Heimatmuseum Borsdorf – das ist ein Jubiläum, auf das wir mit Stolz und großer Dankbarkeit blicken dürfen.
Ein Museum bewahrt nicht nur Gegenstände. Es bewahrt Erinnerungen, Geschichten und Identität. Es verbindet Vergangenheit mit Gegenwart und schafft Verständnis dafür, woher wir kommen und was unsere Gemeinde ausmacht. Gerade in einer Zeit, in der sich vieles immer schneller verändert,
gewinnen Orte wie unser Heimatmuseum eine besondere Bedeutung.
Doch ein Heimatmuseum entsteht nicht von allein. Es lebt von den Menschen, die mit Herzblut, Sachverstand und unermüdlichem Einsatz Geschichte sammeln, dokumentieren, bewahren und für andere erlebbar machen. Sie investieren unzählige Stunden ihrer Freizeit, recherchieren historische Zusammenhänge, sichten Dokumente und Fotografien, führen Gespräche mit Zeitzeugen, gestalten Ausstellungen, pflegen Exponate und öffnen regelmäßig die Türen des Museums für Besucherinnen und Besucher. Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich. Es verdient unsere
höchste Anerkennung und unseren aufrichtigen Dank.
Ein besonders bewegendes Beispiel war die Ausstellung „80 Jahre Kriegsende“. Sie hat eindrucksvoll gezeigt, dass Heimatgeschichte niemals losgelöst von der großen Geschichte betrachtet werden kann.

Mit persönlichen Schicksalen, historischen Dokumenten und eindrucksvollen Erinnerungen wurde deutlich, welche Spuren Krieg, Vertreibung und Neuanfang auch in unserer Gemeinde hinterlassen haben. Diese Ausstellung hat nicht nur informiert, sondern zum Nachdenken angeregt und einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet.
Besonders deutlich wurde mir die Bedeutung unseres Heimatmuseums bei der Sonderausstellung „Schule und Büro: Als es noch keine Computer gab“ im vergangenen Jahr. Natürlich wusste ich, dass sich Schule in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Aber Geschichte zu kennen, ist etwas anderes, als sie plötzlich wieder vor sich zu sehen. Ich durfte in einer alten Schulbank Platz nehmen. Als Kind kam sie mir groß und beeindruckend vor. Als Erwachsene stellte ich schmunzelnd fest, wie klein sie eigentlich ist. Und doch waren sie sofort wieder da – Erinnerungen an den Schulalltag, an Lehrerinnen und Lehrer, an Pausen, an Freundschaften. Daneben stand ein Schulranzen, genau von der Art, wie ich selbst ihn früher getragen habe. Ein einfacher Gegenstand – und doch hat er unzählige Erinnerungen geweckt. Genau darin liegt die besondere Stärke eines Heimatmuseums: Es zeigt nicht nur Dinge. Es erzählt Geschichten. Und plötzlich findet sich jeder Besucher ein Stück weit selbst darin wieder.
Eine andere Geschichte hat mich ebenso beeindruckt. Ein Bild der Borsdorfer Schule, gemalt vom Großvater unseres Herrn Blüthgen, das über viele Jahre seinen Weg bis nach Mannheim gefunden hatte, ist wieder nach Hause zurückgekehrt. Dr. Bergner, ein Zahnarzt, der 1944 im in Borsdorfer Frauenheim geboren wurde und nun in Mannheim lebt, hat es an unsere Gemeinde zurückgegeben. Er kam dafür mit seiner Familie zurück zu seinen Wurzeln und es war sehr berührend zu sehen, wie emotional dieser Tag für die Familie war. Borsdorf war immer bei ihm: ein Stück Kindheit, ein Stück Heimat, das ihn ein Leben lang begleitet hat.
Heute hängt dieses Bild wieder dort, wo es hingehört – in Borsdorf. Ich finde, diese Geschichte steht sinnbildlich für die Arbeit des Heimatvereins. Sie zeigt, dass Heimat manchmal weite Wege geht. Aber sie zeigt auch, dass es Menschen braucht, die sie bewahren, die ihren Wert erkennen und ihr wieder einen Platz geben.
Genau das tun Sie seit 30 Jahren.
Sie sammeln nicht einfach Exponate. Sie bewahren Erinnerungen. Sie geben den Geschichten unserer Gemeinde ein Zuhause. Und Sie schaffen einen Ort, an dem Vergangenheit nicht verstaubt, sondern lebendig wird. Ich glaube, jeder, der einmal durch unser Heimatmuseum gegangen ist, hat einen solchen Moment erlebt – einen Augenblick, in dem ein altes Foto, ein Werkzeug, ein Dokument oder eben ein Schulranzen plötzlich Erinnerungen wachgerufen hat. Hier wird Geschichte lebendig.
Damit leisten Sie einen unschätzbaren Beitrag für unsere Gemeinde. Sie bewahren nicht nur unsere Vergangenheit, sondern schaffen Identifikation für die Gegenwart und geben dieses Wissen an kommende Generationen weiter.
Gerade junge Menschen erfahren hier, dass Heimat weit mehr ist als ein Ort auf der Landkarte. Heimat entsteht durch gemeinsame Erinnerungen, durch Geschichten und durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung für dieses Erbe zu übernehmen.
Als Bürgermeisterin erfüllt es mich mit großer Freude und Dankbarkeit, einen so engagierten Heimatverein in unserer Gemeinde zu wissen. Ihr Wirken bereichert unser kulturelles Leben, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und macht Borsdorf ein Stück lebenswerter.
Mein herzlicher Dank gilt deshalb allen, die das Heimatmuseum in den vergangenen 30 Jahren aufgebaut, begleitet und mit Leben erfüllt haben – den Gründungsmitgliedern ebenso wie allen heutigen Aktiven, den Unterstützerinnen und Unterstützern sowie den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, die dieses Engagement wertschätzen.
Ich wünsche dem Heimatmuseum und seinen Menschen auch für die kommenden Jahrzehnte viele spannende Ausstellungen, neugierige Gäste, neue Ideen und vor allem Menschen, die sich weiterhin mit derselben Begeisterung ehrenamtlich engagieren. Denn Geschichte lebt nur dann weiter, wenn Menschen bereit sind, sie zu erzählen.
Herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen Jubiläum des Borsdorfer Heimatmuseums!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert